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Ein Rennen, das von Fans und Fahrern lebt

07ZU07DielsdorfOhne uns starten die Radler der Volksmetzgete nicht, das haben wir uns vorgenommen.» Anton und Mirta Berther aus Buchs stehen am Sonntagmorgen schon vor 8 Uhr beim Startfeld an der Furttalstrasse und überblicken mit Kennermiene die 773 Velofahrer und -fahrerinnen, die zum Rennen angetreten sind. Das Feld staut sich mehrere hundert Meter der Strasse entlang. Die Fahrer nesteln an ihren Kleidern. Stefan Maag vom RSC Regensdorf verstaut drei Energieriegel in seinem Dress. «Mehr brauche ich nicht, viel Zeit zum Essen bleibt sowieso nicht», erklärt er, schliesslich will der RSC in der Teamwertung den
1. Platz holen.
Später, in der zweiten Runde wird Maag am Siglistorfer die Führung übernehmen. Im Ziel aber wird der Glarner Patrick Bieler schneller eintreffen. Stefan Maag wird als Zehnter ins Ziel brausen, gleich nach seinem Teamkollegen Josef Kifias, der als bester Unterländer aus dem Rennen hervorgehen wird. Beste Unterländerin wird übrigens Diane Lüthi aus Regensberg. Davon aber wissen die Fahrer jetzt noch nichts.

«Ich bin wohl nervöser als er», meint Susanne Knobel mit Blick auf ihren Freund. In den Armen hält sie seine Jacke und seine Tasche. Ihre Schwester Sandra Knobel, deren Freund auch am Rennen teilnimmt, hält eine Wasserflasche in der Hand. «Die füllen wir und werden sie den Jungs für die zweite Runde an der Verpflegungsstation reichen», erklärt sie. Gut zehn Mal im Jahr stehen die beiden am Start und Ziel von Radrennen, um ihre Freunde anzufeuern, «das gehört halt dazu».
OK-Präsident Michael Ausfeld zückt die Startpistole. Ein Schuss – und das vorderste Feld legt los. Knackend klicken die Schuhe in die Pedale, die Radler schiessen surrend über die Startlinie. Nach wenigen Sekunden sind die Schnellsten unter ihnen um die Ecke verschwunden. «Der Nebel zwischen Dielsdorf und Glattfelden war übel», berichtet nach dem Rennen der 24-jährige Simon Gerber vom Team «Strickhof-Boys». Matthias Löffel aus Lyss freute sich dafür über die Steigungen am Siglistorfer und Regensberger: «Geradeaus ist für mich viel mühsamer.» Das steilste Stück der Rennstrecke wartet am Regensberger. Meist hechelnd und mit hochrotem Kopf pedalen die Fahrer über den Hügel. Die Stimmung im Dorf gleicht einem Dorffest. Die Zuschauer stehen oder sitzen auf Klappstühlen am Strassenrand und feuern die Fahrer laut an. Einige haben Thermoskannen mit Kaffee sowie Brötchen mitgebracht. Vor dem alten Volg spielt Berry’s Big Band Swing und Jazzstandards. Daneben stehen Festbänke und ein Stand, an dem es Bratwürste, Kuchen und Getränke gibt. «Wir betreiben den Stand privat, weil das sonst niemand macht», erklärt Andreas Baumann aus Regensberg.

Kurz vor 10.30 Uhr fahren die Top-Fahrer zum zweiten Mal in Regensberg ein. Manchem sieht man die Erschöpfung  deutlich an. Ihnen folgt wenig später das grosse Mittelfeld, das einiges langsamer unterwegs ist. Diese Radlerinnen und Radler scheinen den Applaus ihrer Fans zu geniessen; einige  winken ihren Bekannten zu. Derweil steigt in Buchs die Nervosität. Mittlerweile haben sich einige hundert Fans, Angehörige und Neugierige am Ziel eingefunden. Ein Töff biegt ein. «Kommt jetzt der Grosspapi?», ruft ein Kind aufgeregt und hängt sich an die Brüstung. Dann, nur Sekunden später sausen die ersten Top-Fahrer ins Ziel, die Sieger der Volksmetzgete.

Fabienne Lorenz und Dominique Marty
Originalartikel als PDF

 

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Paul Ruppanner, 65 Jahre, Teilnehmer an der Volksmetzgete, Zürich.
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Bruno Muggli, 44 Jahre, Grillmeister und Helfer, Rümlang.
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Michael Ausfeld, OK-Präsident der EKZ Züri Metzgete.

An der Volksmetzgete mitzufahren, weckt Erinnerungen an meine Zeit als Radrennfahrer in den 1960er-Jahren, als Elite-Amateur. In der Szene war ich sogar ein wenig bekannt. Ich bin am Morgen schon eine Stunde von Leimbach nach Buchs gefahren. Das ist gut, ein alter Motor braucht halt länger, bis er warm ist. Ein teures Rad fahre ich aber nicht. Das teuerste Rad ist nichts, wenn der Fahrer drauf nichts in den Beinen hat, sag ich immer. (dma) Schon früh am Morgen habe ich den Grill angeheizt, damit er warm genug ist, wenn ich den Braten reinlege.Ich koche für die VIP-Gäste. Manche Fahrer haben sich heute Morgen am Grill ein wenig aufgewärmt, es war ja auch kalt genug, besonders in diesen dünnen Sportkleidern. Mir gefällt der Anlass. Selbst schwinge ich mich auch ab und zu aufs Rad – sogar den Regensberger habe ich mal bezwungen, aber nur einmal. (dma) Ich  bin  froh,  dass  die  Züri  Metzgete ohne grössere Pannen  und Zwischen- fälle über  die Bühne gegangen  ist. Wegen  vieler  Nachmeldungen hatten  wir einen  kleinen  Stau  bei  der  Startnummernausgabe.  An  der   Volksmetzgete haben  knapp  800 Leute teilgenommen. Nächstes  Jahr  wollen  wir  die  Tausender-Grenze  knacken.   Gefreut  habe  ich mich über die vielen Zuschauer, welche  die Rennfahrer  entlang  der Strecke angefeuert haben.  (moh)

 

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Karin Knöpfel, 38 Jahre, Zuschauerin und Rennfahrer-Freundin, Zürich.
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Diego  (12) und Bianca (11) Seiler,  Helfer und Zuschauer, Regensberg.
Ich schaue zum zweiten Mal der Züri Metzgete zu, um meinen Partner an- zufeuern. Er sollte bald hier in Regensberg vorbeifahren – das hoffe ich zumindest. Das Wasser halte ich auf jeden Fall für ihn parat, und wenn er kommt, rufe ich «hopp, hopp!» und «Strampeln!». Die Züri Metzgete ist sehr lässig. Mir gefällt besonders, dass hier Junge und Ältere mitmachen, und dass auch die zuletzt eintreffenden Fahrer noch Applaus bekommen. (fl)  Wir verteilen den Fahrern freiwillig Wasser und Orangenschnitze. Wir warten jedoch auch noch auf unseren Bekannten, der bald vorbeifahren sollte. «Fascht dobe!», rufen wir, um die Fahrer anzufeuern, oder: «Hopp, Fraue!». Uns gefallen vor allem die Fahrer im Mittelfeld. Die Vordersten wollen keine Zeit verlieren und sind sehr konzentriert. Die sind eher langweilig. Die Hintersten hingegen sind gefrustet und wollen auch kein Wasser. (fl)