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«Wir Velofahrer sind eben ein sehr ehrgeiziges Völkchen»

Michael Ausfeld liebt den sauberen Radsport. Die Züri Metzgete liegt ihm am Herzen. Doping und «gsprützti» Stars sind dem drahtigen Stadtzürcher Rechtsanwalt aus guten Gründen ein Graus.

07zu15zuerimMichael Ausfeld war nie ein grosser Star in der Veloszene. Sein Name, so witzelte er einmal, sei sein sportliches Programm als junger Rennfahrer beim Radfahrer-Verein Zürich (RVZ) gewesen. Weil er so langsam radelte, sei er oft hinten aus dem Feld gefallen. Ausfeld wurde also Rechtsanwalt und nicht Rennradprofi.

Die Liebe zum Radsport und besonders zur Züri Metzgete blieb freilich erhalten. Ein Leben lang. Vor etwas mehr als zwei Jahren bewies Ausfeld dann, wie ernst es ihm mit dem Traditionsanlass und dem Sport ist. Nach der Absage von 2007 auf dem Tiefpunkt angekommen, übernahm Ausfeld die Führung des Organisationskomitees für die «neue» Züri Metzgete. Keine leichte Übung, den Anlass und den Sport aus dem Sumpf von Doping, Lügen und Enttäuschungen zu hieven. Denn dorthin hatten ihn gewohnheitsmässig gedopte Profirennfahrer gebracht. Ausfeld nimmt das Männern wie Jan Ullrich, Floyd Landis, Bjarne Riis, Alex Zülle, Laurent Dufaux oder Tyler Hamilton übel. Es wurmt ihn, dass er als Mensch, schon damals Mitorganisator der Züri Metzgete, und vor allem als Rechtsanwalt, auf die Unschuldsbeteuerungen reingefallen ist. «Jan Ullrich etwa habe ich geglaubt, als er sagte, er sei sauber. Leute wie er haben die alte Züri Metzgete kaputt gemacht», sagt Ausfeld ruhig. Dass es dabei in ihm kocht, ist aber nicht zu übersehen. Der Groll ist denn auch nachhaltig: «Die neue Züri Metzgete braucht solche Leute nicht mehr. Wir verzichten auf die Profis und organisieren einen sauberen, sympathischen Breitensportanlass.»

Keine Profis – kein TV, kein Geld ...

Ganz einfach ist das freilich nicht. Die sauberen Hobby-Gümmeler, die am 6. September im Unterland ihre Runden drehen, geniessen zwar in der Bevölkerung und der Radsportszene Sympathie. Die Breitensportler sind allerdings viel schwieriger zu vermarkten als die früheren Stars der alten Metzgete, die Gewohnheitsdoper,so Ausfeld. Ausgerechnet das Schweizer Fernsehen, das sich über Dopingskandale im Radsport aufgeregt habe, wolle jetzt, da die Züri Metzgete sauber sei, nichts von ihr wissen. «Auf SF DRS und die leider nicht immer so spannenden Reportagen müssen wir also verzichten», sagt Ausfeld schmunzelnd. Ernst sei aber, dass ohne den grossen Medienrummel kaum grosse Sponsoren gewonnen werden können. Dass es die neue Züri Metzgete nach 2008 heuer wieder gibt, sei nur dem derzeitigen Hauptsponsor EKZ zu verdanken. «Ob und wie lange diese Partnerschaft Bestand haben wird, wird sich zeigen.» Neue, weitere Sponsoren müssten her, so Ausfeld. Ganz einfach sei das mitten in einer Wirtschaftskrise freilich nicht. «Wenn ich also ehrlich bin, dann ist die Zukunft der Züri Metzgete mit einigen Fragezeichen behaftet.»
Was ihn optimistisch stimme sei einerseits, dass der Radsport nach all den Skandalen die Image-Talsohle überwunden habe und es aufwärtsgehe, auch wirtschaftlich. «Ausserdem stellen wir fest, dass die Unterländer die Züri Metzgete in ihrer Region schätzen und sich dafür begeistern.» Zuversichtlich stimme ihn, dass sich das regionale Gewerbe für den Fortbestand des Anlasses einsetze. So hätten «Die Freunde der Züri Metzgete», eine Gemeinschaft von zwölf Unternehmern aus dem Unterland, dem Anlass mit 24 000 Franken mehr als 10 Prozent seines Gesamtkostenbudgets gespendet.

Zwei Tage lang Züri Metzgete?

Aus seiner Sicht lohne es sich also, weiter für die neue Züri Metzgete zu strampeln. Im Hinterkopf hat der 59-Jährige auch schon weitere Pläne für das grosse Velofest im Furttal. Schön wäre, wenn man den Anlass einst zu einer Zwei-Tages-Veranstaltung ausbauen könnte, sagt er. «Es ist doch schade, die ganze Infrastruktur bloss für einen Tag in Buchs aufzubauen. » Vorstellbar sei, am Samstag ein Mountainbikerennen abseits der Strassen zu organisieren, am Sonntag dann die Strassenrennen. Freilich sei das Zukunftsmusik und ein Wunschtraum, so Ausfeld. «Wir Velofahrer sind eben ein sehr ehrgeiziges Völkchen.»

Steffen Riedel
Originalartikel als
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