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Regensdorfer Radler üben den Sieg

Mittwochs, kurz vor 18 Uhr, treffen sich beim Restaurant Hirschen in Regensdorf die angefressenen «Gümmeler» des örtlichen Radsportclubs (RSC). Hier startet man zum Training. Heute wird die Züri Metzgete geübt. Beim Volksrennen am übernächsten Wochenende soll der Club die Teamwertung gewinnen. So wie letztes Jahr.

11ZU29Dielsdorf

Harte Übung am härtesten «Sauhund» der Züri Metzgete.
Michaela Brunner (links) und Harry Huwyler (rechts)
vom Radsportclub Regensdorf erreichen als Erste der
Trainingsgruppe den Gipfel des Siglistorfers zwischen
Fisibach und Siglistorf. Der steile Hügel gilt als
Schlüsselstelle der Züri Metzgete.

Ein Rundkurs von rund 55 Kilometern steht bevor, mit knackigen Steigungen bei Siglistorf und Regensberg. 25 Hobbysportler sind gekommen. Hobby sagt man, weil die Dame und die 24 Herren neben dem Radfahren geregelten Arbeiten nachgehen. Denn ausnahmslos sehen sie aus, als sei das Velofahren ihr Beruf.

Man plaudert noch in der Abendsonne, mustert gegenseitig die Drahtesel, dieaus Karbon, Aluminium und Titan bestehen und den Wert eines gebrauchten Kleinwagens haben. Und man erzählt sich Radfahrerlatein. Josef Kiafis zum Beispiel, ein drahtiger, symphatischer Grieche aus Niederhasli, war letzten Sonntag an der Alpen Challenge über fünf Alpenpässe in Graubünden und Italien dabei. Er wurde 13. So nebenbei spricht er dem Albulapass alle Schrecken ab. Jetzt freut er sich auf den Ötztaler Radmarathon von nächstem Sonntag, die Züri Metzgete danach und aufs Mannschaftszeitfahren in Athen.
Beim Stichwort «Ötztaler» setzt auch Harry Huwyler aus Niederweningen ein,der Präsident des RSC. «Den ‹Ötztaler› fahre ich diesmal nur um anzukommen.» Um was denn sonst, frage ich mich. Zwecks Reportage werde ich am heutigen Training teilnehmen.
Warum weder Josef noch Harry vom «Ötztaler», seinen 238 Kilometern Distanz und fast 5000 Metern Höhenunterschied, beeindruckt sind, wird sich später auf der Ausfahrt weisen. Mehrmals.

Fürs Training, das zwei oder dreimal pro Woche stattfindet, sei der Club im Grossraum Zürich bekannt, sagt Präsident Huwyler. Neueintritte kämen deshalb häufig vor. «Emma Pooley, die britische Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin, ist auch deshalb beigetreten.»
Ein Teil der Truppe radelt schon los.Der Präsident nennt sie die gemütlichen Fahrer, die wir, die schnelle Gruppe, später einholen würden. Jetzt flitzt auch die schnelle Abteilung aus Regensdorf hinaus, huscht über den Schwänkelberg und sticht in rasanter Fahrt an Autokolonnen im Stossverkehr beim Center Dielsdorf vorbei. Durchs Ried und durch Neerach gehts mit 50km/h hinunter an den Rhein. Im Windschatten der durchtrainierten RSCler kann das auch ein Fahrer mit Kamerarucksack durchhalten, eine Weile zumindest.
Nachdem die Speed-Gruppe mir gestattet, selbst einige Minuten die Führungsarbeit an der Spitze im Gegenwind zu erledigen, entdecken meine Schenkelrasch ihre Leistungsgrenze. Ich ziehe mich deshalb vornehm aus der Affäre und lasse mich hinters Feld zurückfallen.
Die «Raser» um Präsident Harry, der dieses Jahr rund 11500 Kilometer abradelt, scheinen einen dritten Lungenflügel aktivieren zu können, entsprechend leicht sieht ihr Antritt am gefürchtetsten Berg der Züri Metzgete, dem Siglistorfer aus. Oben treffen sich alle wieder. Die Gemütlichen, die Schnellen und ich.
Die RSCler sind topfit, die Verteidigung des 1. Platzes in der Teamwertung an der Züri Metzgete von übernächstem Samstag scheint zumindest realistisch.
Ab dem Siglistorfer, durchs Wehntal,nimmt es die ganze Truppe etwas ruhiger. Freilich beträgt der Temposchnitt immer noch fast 28 km/h. Es bleibt aber noch «Schnuuf» für Smalltalk. Etwa mit Michaela Brunner, der einzigen Frau, die heute Abend mittrainiert. «Ich fahre erst seit einem halben Jahr Rennvelo», sagt sie und tritt dabei ohne sichtbare Anstrengung in sportlichem Takt,in die Pedale. Die junge Designerin erklärt nicht ohne Stolz, dass sie nun ihre ersten 4000 Kilometer zusammenhabe. An der Züri Metzgete wird sie als Einzelfahrerin ins Rennen gehen.
Dann startet sie zum Sturm auf den Regensberg. Die Frage, ob die 5 aktiven Frauen im RSC unter fast 80 männlichen Radlern Exotinnenbonus geniessen, bleibt deshalb unbeantwortet.

Steffen Riedel
Originalartikel als PDF