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Der Steuermann hinter dem Sieger

Alfredo Maranesis Team VC Mendrisio-PL Valli triumphiert an der Züri Metzgete


13ZU07Sport
«Drive-through» einmal anders: Während der Fahrt durchs Unterland verpflegt Alfredo Maranesi einen seiner Fahrer aus
dem Auto. Am Schluss gewinnt Stefan Trafelet von seinem Team Mendrisio-PL Valli.

Immerhin funktioniert der Funk. «Hier ist Mauro Gianetti», tönt es sechs Minuten nach dem Start des Eliterennens der Züri Metzgete über Radiotour. Der Vizeweltmeister auf der Strasse von 1996 ist kurzerhand für den eigentlichen Radiotour-Leiter eingesprungen. Denn dieser ist scheinbar abgesprungen. «Bitte entschuldigen Sie, wenn nicht alles richtig ist.» Wenig später wird die Meldung verbreitet, dass das Feld der Elite-Fahrer nun am «Siglisberg » sei. Gianettis Tessiner Akzent macht die Sache charmant. Natürlich entschuldigen wir.

Alfredo Maranesi ist sportlicher Leiter des Teams VC Mendrisio-PL Valli. Er hat acht Elite- und drei Amateurfahrer am Start und hofft auf einen Sieg. Maranesi ist konzentriert.  Kein Wunder. Wer in einem Tross von Begleitfahrzeugen mitrollen will, muss nicht nur die Taktik im Griff haben, sondern auch das Steuerrad. Bergauf geht alles gemächlich. Allerdings zeigt sich am Siglistorfer, dass das Überholen der abgehängten Fahrer nicht ohne ist. Bergab werden denn Spitzengeschwindigkeiten von über 90 km/h erreicht – am Regensberger ist dies nicht zur Nachahmung empfohlen. Vor allem nicht, wenn die abgehängten Fahrer am Auto vorbeischiessen und versuchen, wieder Unterschlupf im Feld zu finden.

«Die Nummer 155 holt den Bergpreis », wird vermeldet. Sportliche Leiter sehen vom Renngeschehen wenig – darum sind sie auf die Informationen über Funk angewiesen. Maranesi kriegt davon nicht genug. «Haben Sie eine Startliste? », fragt er. – «Nein.» – «Mit den Nummern der Fahrer kann ich nichts anfangen!» Wenigstens weiss er, dass seine Schützlinge mit den Nummern 71 bis 83 unterwegs sind. Und wer hier wer ist. Um sich besser zu informieren, erkundigt er sich bei Bekannten am Strassenrand über aktuelle Rückstände oder kurvt ab und zu in die Mitte der gesperrten Stasse, um einen Blick nach vorne zu werfen. Ansonsten sieht er vor allem das Heck des Fahrzeugs vor ihm, «Romer’s Hausbäckerei» steht dort drauf.

Dritte Runde. Jetzt wirds ernst, denn das Ziel naht. «Nicht führen, aber kontrollieren. Bei allen Gegenattacken mitfahren », fordert Maranesi seine Athleten über Funk auf. Am Siglistorfer soll dann angegriffen werden. Die Fahrer halten sich dran. Die Tempoverschärfung führt dazu, dass immer weniger Gegner mithalten können. «C’est dur, la vie!», ruft Maranesi einem Romer’s-Fahrer zu, der sich kurz vor der letzten Passage des Regensbergers abhängen lassen muss. Man kennt sich. Und man macht gern einmal einen Spruch.

Die Südschweizer haben gut Lachen. Stefan Trafelet ist solo an der Spitze, seine Teamkollegen Sven Schelling und Christian Schneeberger halten ihm die Verfolger vom Hals. Maranesis Equipe fährt den Erfolg souverän ein. «Grossartig, Stefan! Bravo, bravo!» Die Metzgete hat ihren Sieger.

Martin Liebrich
Originalartikel als PDF