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Unterwegs mit 773 Volksmetzgern

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Beflügelt von Berry's Big Band, geht es von
Regensburg hinunter nach Buchs auf die zweite Runde.

Unterwegs mit 773 Volksmetzgern Sie ist 99 und kein bisschen weise. Und von Altersmilde kann bei der Zuri-Metzgete schon gar nicht die Rede sein. Sie bleibt unerbittlich, auch wenn die weltbesten Profis nicht mehr zu ihr kommen.
Das spuren all jene, die sich aus reiner Freude fur die Volksmetzgete eingeschrieben haben, die zum Kern der neuen alten Züri-Metzgete geworden ist: 773 Hobbyfahrer, leicht abschätzig auch «Gümmeler» genannt, in der Mehrheit aber doch eher ein bisschen Rennfahrer mit rasierten Waden, wenigstens an diesem Tag.

Nach etwa 30 Kilometer Fahrt durchs, flache Zurcher Unterland steht sie plotzlich da, die Wand. So, wie sie das schon fruher tat, als sie sich Eddy Merckx in den Weg stellte. Bis zu 15 Prozent steil. Ein Ungeheuer, auch wenn solche Hugel nur «Bibeli» genannt werden. Der Siglistorfer hat nichts,von seinem Schrecken eingebusst,
auch wennn er längst geteert ist.
Und er wird seinem Ruf gerecht. Die Spitzenfelder teilt er auf, die Grüppchen der Langsameren zerlegt er in Einzelteile. Gelernt ist gelernt. Der Bruder des Siglistorfers ist der Regensberger. Der Aufstieg zum mittelalterlichen Städtchen war wahrend vieler Jahre das Herz der alten Metzgete. Nicht so steil, aber ausserst fotogen und, weil mehrmals im Rennen befahren, ein Zuschauermagnet. Auch daran hat sich nichts verändert. Es sind nicht Tausende da, aber Dutzende. Unterhalten werden sie von Berry's Big Band.
Bei der Anfahrt zum Regensberger erleiden Puristen einen mittleren Schock. Die Minimalisten freuen sich. Erklettert wird der Hügel nicht, wie es die Tradition gerne hätte, über die Nordwand (von Dielsdorf aus), sondern auf der sanfteren Steigung von Osten und Schöfflisdorf her. Eine Konzession an die Polizei, die es so wollte. Weil sie in Zurich ohnehin mehr kostet als anderswo, widerspricht man ihr lieber nicht.

Nicht der bald hundertjährigen Tradition entspricht der Start- und Zielort Buchs. Zusammen mit dem Sponsor EKZgibt das 5000-Seelen-Dorf alles, damit die Züri-Metzgete ein Velofest bleibt. Die Schule steht als Nervenzentrum zur Verfügung, in einem grossen Festzelt wird hungrigen Finishern Pasta serviert, beim Ziel buhlen Thai-Food, Fisch-Chnuschperli und Raclette um die Kundschaft. Und well das Wetter (endlich wieder einmal bei der Metzgete!) so schön und warm ist, wird das Ganze zu einer grossen Gartenbeiz.

Für Unterhaltung ist dauernd gesorgt. Nach den Volksmetzgern starten 158 Elite-, U-23- und Master-Fahrer nach Handicap-Formel, 33 Frauen und 51Schüler in 3 Kategorien. Dazu kommen Schülerrennen für Nichtlizenzierte, ein besonderes Anliegen des Radfahrer-Vereins Zürich, dem Organisator. Er ist stolz darauf, dass er 2008 den Junioren-Meister im Mannschaftszeitfahren stellte und dies mit Fahrern, die aus den Schülerrennen kamen. Als die Metzgete noch beim Utoquai ankam, waren 100 Kinder am Start. Jetzt sind, es noch 60. Weil das Rennen nicht mehr auf Stadtgebiet stattfmdet, geht die Ausschreibung nicht mehr uber das Sportamt.
Ziel des RV Zürich ware es, dank der Züri-Metzgete etwas Geld in die Nachwuchskasse fliessen zu lassen. Damit sich der Aufwand mit 140 Streckenposten und der Kampf um all die Bewilligungen lohnt. Ob es diesmal dank dem schönen Wetter tatsächlich einen Gewinn gibt, lasst sich noch nicht abschätzen. Mit einem Verlust, das ist klar, will man nicht leben. Und von einer Ruckkehr der Profis wagt man nicht einmal zutraumen. Wer soll die Differenz zwischen dem Sparbudget von 200 000 Franken und dem Millionen-Budget eines Pro- Tour-Rennens begleichen, lautet die Frage. Die Antwort: Andy Rihs, wer denn sonst? Der Phonak-Gründer, der zuletzt die Metzgete sponserte, ist daran, mit BMC ein neues Spitzenteam aufzubauen. Da könnte er seinen Fahrern doch wieder eine Heimatplattform aufbauen...

Abgesehen vom Geld, wäre der RVZ bereit. Die Infrastruktur steht, und der Mann dahinter kennt seinen Job: Projektleiter Bruno Hubschmid war während 25 Jahren unter diversen Bossen der heimliche Direktor der Tour de Suisse. Eine Metzgete, wie sie wirklich einmal war, könnte ihn nicht erschuttern. Den Siglistorfer natürlich auch nicht.

Martin Born
Originalartikel als PDF