Züri-Metzgete «Meisterschaft von Zürich»

Aus dem Klappentext zum Jubiläumsbuch «Züri-Metzgete: 100 x Meisterschaft von Zürich – der Radklassiker» (2014)

Nichts deutete darauf hin, dass am 28. Mai 1910 ein grosses Rennen mit grosser Geschichte geboren würde. Es dauerte vier Jahre bis zur zweiten und weitere drei Jahre bis zur dritten Meisterschaft von Zürich. Richtig los ging es erst, als sich der aus dem VC Westfalen entstandene Racing-Club mit der Radfahrer-Union und dem VC Adler zum Radfahrer-Verein Zürich zusammenschloss.

Von 1917 bis 2006 wurde das Rennen ohne Unterbruch jedes Jahr durchgeführt. Weil es auf den Naturstrassen immer wieder zu Massenstürzen kam und viele Fahrer mit blutenden Wunden das Ziel erreichten, erhielt die MvZ schon früh den Namen «Züri-Metzgete». «Das sieht ja aus wie bei einer Metzgete», soll ein Zuschauer gesagt haben. Vielleicht kommt diese Bezeichnung aber auch daher, dass sich die Fahrer in diesem wichtigen Rennen nichts schenkten.

Die Züri-Metzgete überstand den Schluss des Ersten und den ganzen Zweiten Weltkrieg, sie überlebte (dank Sepp Voegeli und dem Tages-Anzeiger), als einer mit der Kasse durchbrannte und sie vor dem Konkurs stand, sie ertrug es, als sie von Serge Lang, dem «Weltcup-Papst» des alpinen Skirennsports, zu einem Abstecher nach Basel gezwungen wurde, sie überstand eine Art deutsche «Besatzung» durch die Veranstalter des Hamburger Weltcup-Rennens. Start und Ziel verschoben sich vom Sihlquai zur Hardturmstrasse, dann nach Oerlikon an die Birchstrasse, an die Wallisellenstrasse, auf die offene Rennbahn und zuletzt zum Utoquai am See.

Die Metzgete war stets ein grosses Rennen mit grossen Siegern: Heiri Suter (sechs Mal), Max Bulla, Paul Egli, Leo Amberg, Ferdy Kübler, Gino Bartali, Fritz Schär, Hugo Koblet, Franco Bitossi, Walter Godefroot, Roger de Vlaeminck, Freddy Maertens, Francesco Moser, Didi Thurau, Giuseppe Saronni, Beat Breu, Phil Anderson, Johan Museeuw, Maurizio Fondriest, Paolo Bettini und als letzter Profi, Samuel Sánchez, der spätere Olympiasieger von Peking. Jan Ullrich, der das «Heimrennen» unbedingt gewinnen wollte, gelang dies nie. Er wurde viermal Zweiter.

Die Züri-Metzgete kämpfte oft ums Überleben – und verzweifelt um Sponsoren (die Zahlen waren nicht immer schwarz, die Köpfe dafür umso roter), doch sie liess sich nicht unterkriegen – bis Floyd Landis als Tour-de-France-Sieger gedopt erwischt wurde und Sponsoren ausstiegen. 2007 fiel die Züri-Metzgete aus. Danach zügelte sie nach Buchs/ZH, kehrte zurück zu Regensberger und Siglistorfer und wurde zum Rennen für die Amateur-, Elite-Amateur- und Nachwuchs-Kategorien.

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